Prof. Dr. Hans Anand Pant verlässt das IPN

Nach vier Jahren verabschiedet sich Prof. Dr. Hans Anand Pant zum Ende September aus der Leitung der Abteilung Fachbezogener Erkenntnistransfer und vom IPN.

Prof. Dr. Hans Anand Pant

„Der These, dass wir im Bildungsbereich kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem haben, möchte ich die Gegenthese entgegensetzen: Wir haben ein Erkenntnisproblem, wie wir Umsetzungen wirksam gestalten“. Mit dieser These trat Prof. Dr. Hans Anand Pant 2022 seine Position als Direktor der Abteilung Fachbezogener Erkenntnistransfer (FET) am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an. Vier Jahre später blickt das IPN auf eine Zeit zurück, in der der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Bildungspraxis deutlich zugenommen hat und jetzt eine zentrale Rolle spielt.

„Mit Hans Anand Pant verlässt ein Wissenschaftler das IPN, der sich in besonderer Weise dafür eingesetzt hat, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Bildungspraxis nutzbar zu machen. Wir danken ihm herzlich für sein Engagement und die Impulse, die er in den vergangenen vier Jahren am IPN gesetzt hat“, sagt Prof. Dr. Olaf Köller, Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor am IPN.

Als Direktor der Abteilung Fachbezogener Erkenntnistransfer setzte Pant einen Schwerpunkt auf die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse so in die Praxis gelangen können, dass sie dort nachhaltig Wirkung entfalten. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählten Transfer- und die Implementationsforschung sowie die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung.

QuaMath: Wissenschaft und Praxis zusammenbringen

Eine besondere Bedeutung hatte während seiner Zeit am IPN die Aufbauphase des bundesweiten Programms QuaMath – Unterrichts- und Fortbildungsqualität in Mathematik entwickeln. Als Mitglied der wissenschaftlichen QuaMath-Leitung war Pant maßgeblich an der Konzeption und Umsetzung des von der Kultusministerkonferenz geförderten und 2023 ins Leben gerufenen Zehnjahresprogramms beteiligt. Das IPN koordiniert das Programm gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (DZLM).

Ziel von QuaMath ist es, die Qualität des Mathematikunterrichts in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Dafür werden wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Fortbildungs- und Unterrichtsmaterialien entwickelt, erprobt und datengestützt weiterentwickelt. Aktuell werden 550 Lehrkräfte als Multiplizierende für diese Fortbildungs- und Unterrichtskonzepte qualifiziert. Diese Multiplizierenden begleiten Lehrkräfteteams in Schulnetzwerken.

In den ersten drei von insgesamt acht vorgesehenen jährlichen Schulkohorten werden inzwischen über 3.000 Schulen und fast 11.000 Lehrkräfte erreicht. Perspektivisch sollen bis zu 10.000 Schulen, also etwa ein Drittel der allgemeinbildenden Schulen in Deutschland, erreicht werden; damit ist QuaMath das bislang größte Projekt seiner Art in Deutschland. So steht QuaMath beispielhaft für den Ansatz, den Pant bereits bei seinem Amtsantritt formuliert hatte: Nicht allein die Frage, was wissenschaftlich bekannt ist, ist entscheidend, sondern auch die Frage, unter welchen Bedingungen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse wirksam und in der Breite in der Praxis umgesetzt werden können. Pant engagierte sich insbesondere dafür, die Schulleitungen im QuaMath-Programm zu adressieren und die Schulaufsichten im Blick zu haben.

Transfer über die Mathematik hinaus

Auch über QuaMath hinaus war Pant am IPN an verschiedenen Vorhaben beteiligt, die Wissenschaft und Bildungspraxis enger miteinander verbinden. In der Transferstelle des Kompetenzverbundes lernen:digital arbeitete er daran mit, den systematischen Dialog zwischen Bildungsforschung und Praxis zu stärken und übernahm damit eine Schnittstellenfunktion zwischen Wissenschaft, Landesinstituten und weiteren Akteuren des Bildungswesens.

Im Projekt DE²nga – Digital-gestützte Erkenntnisgewinnung trifft Lernen durch Engagement war Pant gemeinsam mit Prof. Dr. Moritz Krell Projektleiter. Ziel des Projekts ist es, Fortbildungen für Lehrkräfte zur digital gestützten Erkenntnisgewinnung im Biologieunterricht zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren und dabei Lehrkräfte als Multiplizierende für den nachhaltigen Transfer von Forschungserkenntnissen in die schulische Praxis zu qualifizieren.

Beide Aktivitäten verdeutlichen ein Verständnis von Erkenntnistransfer, das Pant in seiner Zeit am IPN prägte: Nachhaltiger Transfer entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam mit der Praxis auf ihre Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen hin betrachtet und weiterentwickelt werden.

„Mit den bundesweiten Großprojekten QuaMath und Startchancen-Kompetenzzentrum Mathematik hat das IPN gemeinsam mit dem DZLM begonnen, eine sehr enge und kontinuierliche ländergemeinsame Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen für die Bildungssteuerung in den Ländern aufzubauen, die es ermöglicht gemeinsam die Fortbildungs-Landschaft in Deutschland qualitativ, systemisch und in der Breite so zu verändern, dass sich die Unterrichtsqualität und damit die Leistungen der Schülerinnern und Schüler im Fach Mathematik verbessern können.“, resümiert Pant seine Zeit am IPN.

Mit seiner Arbeit hat Pant die Entwicklung des fachbezogenen Erkenntnistransfers am IPN und damit die Forschung am Institut in den vergangenen vier Jahren entscheidend mitgeprägt. Zum Ende September 2026 verlässt Hans Anand Pant nun das IPN. Das Institut dankt ihm für die gemeinsame Arbeit, seine Expertise und die Impulse, die er für den fachbezogenen Erkenntnistransfer gesetzt hat, und wünscht ihm für seinen nächsten Lebensabschnitt und alles Gute.