Sinja Dittmann aus der Kieler Forschungswerkstatt erhält den mit 20.000 Euro dotierten "Wissen der Vielen"–Forschungspreis für Citizen Science
Auszeichnung für gemeinsame Forschungs-Arbeiten mit Bürger*innen im Projekt Plastic Pirates
Stellvertretend für die Autor*innen der Publikation "Temporal variability of litter pollution of rivers in Germany – A long-term assessment by schoolchildren as citizen scientists" erhält Dr. Sinja Dittmann, Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), den ersten Platz beim Forschungspreis für Citizen Science „Wissen der Vielen“. Der mit 20.000 Euro dotierten Preis wird im November 2026 im Rahmen der PartWiss 2026-Konferenz verliehen.
Ziel der Auszeichnung ist es, die Anerkennung von Citizen Science in der Wissenschaft zu stärken und die aktive Beteiligung von Bürger*innen an der Forschung zu fördern. Wissenschaft im Dialog (WiD) und das Museum für Naturkunde Berlin schreiben den vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Preis seit 2023 im Rahmen des Projekts mit:forschen! aus.

Studie zur Dynamik und Zusammensetzung der Makromüll Verschmutzung von deutschen Flüssen
Die ausgezeichnete Citizen Science Studie des Projekts Plastic Pirates untersuchte systematisch und flächendeckend die Dynamik und Zusammensetzung der Makromüll Verschmutzung von deutschen Flüssen. Betrachtet wurde dabei ein Zeitraum von sieben Jahren. Von 2016 bis 2022 haben mehr als 23.000 Schüler*innen als Plastikpiraten aktiv Daten gesammelt. Insgesamt erfassten sie in diesem Zeitraum 26.757 Müllteile und erstellten so einen einzigartigen Langzeitdatensatz für die Wissenschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menge und die Zusammensetzung des Mülls sich über die Jahre kaum veränderten. Besonders häufig fanden die Jugendlichen am Flussufer Kunststoffabfälle und Zigarettenstummel. Dabei fällt auf, dass breite Flüsse stärker belastet sind als schmale, sich also der Müll flussabwärts ansammeln könnte. Als Hauptverursachende identifizierten die Teilnehmenden des Citizen Science Projektes vor allem Besucher*innen der Uferbereiche.
Ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen die Umweltverschmutzung
Die 2024 im Marine Pollution Bulletin erschienene Studie macht deutlich, wie wertvoll Citizen Science für die Umweltforschung ist. "Ohne das Engagement junger Menschen wären solche langfristigen Studien und ein Datensatz dieses Ausmaßes nicht möglich“, so die Erstautorin Sinja Dittmann. „Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse klaren Handlungsbedarf auf. Um Flüsse nachhaltig zu schützen, braucht es gezielte politische Maßnahmen und ein stärkeres Bewusstsein für die Dynamiken der Plastikverschmutzung in der Gesellschaft.“
Die Plastic Pirates und die Studie stehen damit exemplarisch für die Wirkung von Citizen Science Projekten: Sie verbinden Forschung, Bildung und gesellschaftliches Engagement und leisten einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Umweltverschmutzung.
Mitautor*innen der Studie sind: Dr. Tim Kiessling, Dr. Katrin Knickmeier, Janto Schönberg, Dr. Dennis Brennecke, Mandy Hinzmann, Doris Knoblauch und Dr. Martin Thiel.

Über den Forschungspreis Wissen der Vielen
Der 2023 erstmals ausgeschriebene Wissen der Vielen–Forschungspreis für Citizen Science würdigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Anwendung von Citizen Science. Die Vergabe erfolgt durch eine interdisziplinäre Jury von in ihrem Feld anerkannten Professorinnen und Professoren. Der Forschungspreis ist mit einem Preisgeld von 20.000 Euro für den ersten Platz, 10.000 Euro für den zweiten Platz und 5.000 Euro für den dritten Platz dotiert. Die Preisgelder ermöglichen den Forschenden, ihre Aktivitäten im Bereich Citizen Science weiter auszubauen. Die Preisverleihung findet am 18. November 2026 im Rahmen der PartWiss 2026-Konferenz zur Vernetzung und Stärkung von Partizipation in der Wissenschaft in Berlin statt.
Alle im Jahr 2026 ausgezeichneten Preisträger*innen:
1. Platz
Dr. Sinja Dittmann, Leibniz -Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
2. Platz
Anna Köster-Eiserfunke, Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW)
3. Platz
Prof. Dr. Christoph Koch, Professur für Technische Chemie und Umweltchemie, Ernst-Abbe-Hochschule Jena
Weitere Informationen zum Preis und den Preisträger*innen: www.wissendervielen.de

Über das Citizen Science Projekt Plastic Pirates

Als Plastic Pirates schlüpfen Jugendliche in festgelegten Aktionszeiträumen selbst in die Rolle von Forschenden und sammeln Daten zur Plastikmüllverschmutzung an Flüssen sowie Küsten. Dabei untersuchen sie, wie stark die Belastung von Gewässern durch zum Beispiel Plastikverpackungen oder Zigarettenstummel ist und welche Auswirkungen dies hat. Ihre gesammelten Daten tragen die Teilnehmenden in eine Datenbank ein, auf die Wissenschaftler*innen anschließend zugreifen können, um sie auswerten. Da alle teilnehmenden Gruppen standardisierte wissenschaftliche Methoden durchführen, sind diese erhobenen Daten europaweit vergleichbar. So leisten die Teilnehmenden einen echten Beitrag zur Umweltforschung!
Die Kieler Forschungswerkstatt hat das Citizen Science Projekt im Jahr 2016 in Deutschland ins Leben gerufen. Seitdem konnte es auf 13 weitere EU-Länder ausgeweitet werden. Die Projektidee stammt ursprünglich von dem chilenischen Projekt „Científicos de la Basura“.