One Health Curricula: Gemeinsam Bildung für Pandemic Preparedness gestalten
Wie kann naturwissenschaftliche Bildung junge Menschen besser auf zukünftige Pandemien vorbereiten? Dieser Frage widmete sich die Fachtagung One Health Curricula – Pandemieresilienz durch naturwissenschaftliche Bildung am 9. Oktober 2026 in der Leibniz-Geschäftsstelle in Berlin.
Die Veranstaltung fand im Rahmen des Leibniz Labs Pandemic Preparedness – One Health, One Future statt. Ziel war es, gemeinsam konkrete Handlungsempfehlungen für die naturwissenschaftliche Bildung zu erarbeiten. Den Bezugspunkt bildete der One-Health-Ansatz, der die Zusammenhänge zwischen der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt in den Blick nimmt und damit einen zentralen Zugang zu Pandemic Preparedness eröffnet.
Die Tagung brachte 56 Teilnehmende zusammen. Vertreten waren Wissenschaft, Bildungspraxis und Politik. Schüler*innen brachten ihre Erfahrungen und Perspektiven in die gemeinsame Arbeit ein.
Wissenschaftliche, politische und schulpraktische Perspektiven bündeln

Zur Eröffnung betonten Prof. Dr. Gülşah Gabriel und Prof. Dr. Ute Harms die Bedeutung des Austauschs zwischen Forschung und Praxis unter Beteiligung junger Menschen. Michael Hose, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie, stellte wissenschaftlich gewonnene Daten und Erkenntnisse als Grundlage politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen in den Mittelpunkt. Er hob zudem die Bedeutung einer datengestützten naturwissenschaftlichen Bildung und der Schule als strukturgebender Institution in Krisen hervor.
Prof. Dr. Stephan Lewandowsky (University of Bristol & Universität Potsdam) präsentierte forschungsbasierte Ansätze, mit denen Menschen irreführende Argumentationsmuster frühzeitig erkennen und konstruktive Dialoge im Umgang mit Falschinformationen führen können. Diese Ansätze zielen darauf ab, gesundheitliche Schäden und Todesfälle durch Falschinformationen in Gesundheitskrisen zu verhindern.
Prof. Dr. Ute Harms und Dr. Finn Matthiesen vom IPN stellten auf Grundlage aktueller Studien fünf Impulse zur Stärkung von Pandemieresilienz zur Diskussion. Diese bezogen sich auf (1) Kompetenzorientierung, (2) Gesundheits- und Medienbildung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsaufgaben, (3) das Zusammenspiel von Fachunterricht und Schule als Gesamtsystem – insbesondere beim sozio-emotionalen Lernen – sowie die Potenziale von (4) One Health und (5) Resilienzdenken zur Förderung von Systemdenken.
Als Schulleiter*innen betonten Nicole Boutez (Ida Ehre Schule Hamburg) und Timo Off (Humboldt-Schule Kiel) die Bedeutung von Schule als Lebens-, Lern- und Beziehungsort. Gesunde Routinen und klare Zuständigkeiten können dazu beitragen, Orientierung und Unterstützung in Krisen zu gewährleisten. Anja Junker (IQSH) und Lars Janning (LI Hamburg) zeigten, wie One Health bereits verankerte Inhalte und Kompetenzziele über Fächergrenzen hinweg verbinden kann. Dafür brauche es eine gemeinsam lernende Schule, die Unterricht kooperativ weiterentwickelt und mit außerschulischen Partnern zusammenarbeitet.
Die Schüler*innen der Ida Ehre Schule Hamburg schilderten unterschiedliche Pandemieerfahrungen: Einige konnten zu Hause gut lernen, andere erlebten starke Belastungen und Motivationsverlust. Ihre Beiträge verdeutlichten die Bedeutung verlässlicher Strukturen und ihren Wunsch, gehört und beteiligt zu werden.
Dr. Nils Kessel von der Université de Strasbourg ergänzte eine historische und europäische Perspektive auf Krisen und mögliche Lehren für die Zukunft. Eine Ausstellung präsentierte im Rahmen des Leibniz Labs entwickelte Bildungsmaterialien – von der Elementarstufe bis zur Lehrkräftefortbildung.

Co-Creation – gemeinsam entwickelte Handlungsempfehlungen

Den Schwerpunkt der Veranstaltung bildete das Co-Creation Café. In lebhaften Diskussionen erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam Vorschläge: Angeregt wurden eine stärkere Zusammenarbeit in Netzwerken zur Entwicklung und gemeinsamen Nutzung von Materialien und Konzepten sowie ein engerer Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Schule und außerschulischen Akteur*innen. So könnten Ressourcen zur Vorbereitung auf und während einer Pandemie besser genutzt werden. Weitere Vorschläge betrafen die Stärkung der Selbstwirksamkeit von Lehrenden und Lernenden, die kompetenzorientierte Verankerung von One Health im Unterricht und das Erproben von Handlungsmöglichkeiten anhand von Simulationen und Krisenszenarien.
Zum Abschluss erhielten die Ida Ehre Schule und die Humboldt-Schule für ihr Engagement als Pilotschulen den One Health, One Future Award, verbunden mit jeweils 2.000 € für One-Health-Projekte. Die Tagungsergebnisse werden nun ausgewertet und zu Empfehlungen für ein White Paper zur Stärkung der Pandemieresilienz durch naturwissenschaftliche Bildung verdichtet.
Weitere Impressionen von der Fachtagung


