BRISE-Fachtagung 2026: Wie gelingt der Schulstart?

Am 27. und 28. Oktober 2026 kamen rund 90 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Politik im Haus der Wissenschaft in Bremen zur Fachtagung der Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE) zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungsergebnisse und Erfahrungen aus dem pädagogischen Alltag rund um den Übergang von der Kita in die Grundschule.

„Familien brauchen Unterstützung, die im Alltag ankommt und über einzelne Angebote hinausgeht. Das hat uns BRISE gezeigt. Aus dieser Motivation heraus ist in Bremen die Präventionskette entstanden. Mit ihr stärken wir die Zusammenarbeit von Kitas, Schulen und weiteren Akteuren vor Ort. Wir wollen, dass Übergänge gut gelingen und Familien verlässliche Begleitung erfahren. Entscheidend ist, dass wir gemeinsam auf die Bedürfnisse der Familien schauen und unsere Angebote so gestalten, dass sie zu ihrer Lebenswirklichkeit passen.“

Dr. Claudia Schilling, Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration

„Das bundesweit einzigartige BRISE-Projekt liefert in Bremen im zehnten Jahr Daten zur frühkindlichen Entwicklung, die der Bildungs-, Sozial- und Gesundheitspolitik wertvolle Hinweise liefert. Erste Erkenntnisse weisen darauf hin, wie in der ressortübergreifenden Kooperation Zugangsbarrieren in der frühkindlichen Bildung gesenkt und wirksame Präventionsketten aufgebaut werden können. Brise ist ein zentrales Instrument in Bremen, um Familien früh wirksam zu unterstützen und Kinder in den Übergängen Kita und Schule gezielt zu fördern."

Mark Rackles, Senator für Kinder und Bildung

Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein wichtiger Schritt im Leben eines Kindes. Für einen guten Schulstart spielen unterschiedliche Kompetenzen eine Rolle: Neben sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten sind auch Selbstregulation, motorische Fertigkeiten und sozial-emotionale Kompetenzen wichtig. Wie sich diese Fähigkeiten entwickeln, wie mögliche Schwierigkeiten frühzeitig erkannt und wie Kinder gezielt unterstützt werden können, wurde aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive beleuchtet.

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation ging in seinem Vortrag der Frage nach, welche Kompetenzen Kinder für einen erfolgreichen Schulstart benötigen und wie Entwicklungsrückstände frühzeitig erkannt und abgebaut werden können. Dabei hob er die Bedeutung einer fundierten Diagnostik in den relevanten Entwicklungsbereichen hervor. Ebenso wichtig seien Professionalisierungsprogramme, die pädagogische Fachkräfte dazu befähigen, Kinder durch gezielte, alltagsintegrierte Bildungsaktivitäten zu unterstützen.

Wie mathematische Bildung bereits im Elementarbereich kindgerecht gestaltet und mit dem Lernen in der Grundschule verknüpft werden kann, zeigte Prof. Dr. Dagmar Bönig von der Universität Bremen. Anhand zahlreicher Beispiele veranschaulichte sie, wie sich mathematische Lerngelegenheiten in den Alltag integrieren lassen – etwa durch Gespräche über mathematische Zusammenhänge, Würfelspiele oder Bilderbücher. Ziel ist es, an die bisherigen Erfahrungen und Kompetenzen der Kinder anzuknüpfen und ihnen so einen anschlussfähigen Übergang in die Grundschule zu ermöglichen.

Dabei stellte Bönig auch Bezüge zum Bremer Bildungsplan 0–10 her. Dieser bildet die verbindliche Grundlage für die Gestaltung von Unterricht und pädagogischen Angeboten für Kinder von null bis zehn Jahren. Er soll die Lern- und Bildungsorte Familie, Kita und Schule enger miteinander verzahnen. Claudia Halfter vom Landesinstitut für Schule in Bremen und Sabine Pregitzer vom Senator für Kinder und Bildung in Bremen vertieften das Thema in einem weiteren Vortrag.

Weitere wissenschaftliche Vorträge befassten sich unter anderem mit dem Umgang mit Medien, den individuellen Unterstützungsbedarfen von Familien bei Erziehungsfragen sowie mit der Qualität der Interaktionen zwischen Kindern und pädagogischen Fachkräften bei mathematikbezogenen Aktivitäten.

Familien einbeziehen und Bildungsübergänge gemeinsam gestalten

Neben den individuellen Entwicklungsvoraussetzungen der Kinder stand auch die Bedeutung ihres sozialen Umfelds im Mittelpunkt. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Eltern und die Kooperation zwischen Kitas und Grundschulen wurden in Vorträgen, Diskussionen und praxisorientierten Foren wiederholt thematisiert. Dabei ging es auch darum, wie Familien unabhängig von ihren Lebensbedingungen erreicht und armutssensibel in die Gestaltung des Übergangs einbezogen werden können.

Ein Beispiel aus der Bremer Praxis bot das Programm HIPPY, das von Selda Kirisci und Arsena Misiurek vom DRK Kreisverband Bremen vorgestellt wurde. HIPPY ist Teil der Förderkette von BRISE und zielt darauf ab, die häuslichen Interaktionen von Müttern mit ihren Kindern zu stärken. Das Programm verdeutlichte, wie Familien als wichtige Bildungsorte einbezogen und Kinder in ihrem Alltag unterstützt werden können.

Die zahlreichen Beiträge aus der Praxis prägten auch den Austausch während der Tagung. Viele Teilnehmende brachten ihre Erfahrungen aus Kitas und Schulen in die Diskussionen und praxisorientierten Foren ein. So konnten wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Herausforderungen und bewährten Ansätzen aus dem pädagogischen Alltag verknüpft werden.

Über BRISE: Wie frühe Förderung langfristig wirkt

Die Tagung knüpfte an die Arbeit des Forschungsverbunds Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE) an. Seit 2016 begleitet der Forschungsverbund mehr als 400 Familien, um die langfristigen Wirkungen früher Bildungs- und Unterstützungsmaßnahmen zu untersuchen. Im Rahmen einer längsschnittlichen Interventionsstudie wird erforscht, wie sich unterschiedliche Förderangebote in ihrer Wirkung ergänzen und welche kumulativen Effekte sie auf die Entwicklung von Kindern haben. Seit 2024 wurden bereits mehr als 200 Kinder eingeschult, die seit ihrer frühesten Kindheit an BRISE teilnehmen.

Die wissenschaftliche Arbeit des am IPN - Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik koordinierten Forschungsverbunds wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Gemeinsam mit der Stadtgemeinde Bremen und der Jacobs Foundation richtet das IPN die BRISE-Fachtagungen aus. Sie fördern den Austausch zwischen Forschung, Politik und Praxis und tragen dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse für mehr Bildungsgerechtigkeit nutzbar zu machen.