New migrants, new challenges?: Activating multilingual resources for understanding mathematics: Institutional and interactional factors
Artikel in Fachzeitschrift › Forschung › begutachtet
Publikationsdaten
| Von | Arne Krause, Jonas Wagner, Angelika Redder, Susanne Prediger |
| Originalsprache | Englisch |
| Erschienen in | European Journal of Applied Linguistics, 10(1) |
| Seiten | 1-30 |
| Herausgeber (Verlag) | De Gruyter |
| ISSN | 2192-953X |
| DOI/Link | https://doi.org/10.1515/eujal-2020-0017 |
| Publikationsstatus | Veröffentlicht – 03.2022 |
Neuzugewanderte Jugendliche aus arabischsprachigen Ländern stehen bei der Teilnahme am regulären Mathematikunterricht in Deutschland vor komplexen Herausforderungen: Sie sind in ihrer(n) Herkunftssprache(n) unterrichtet worden und müssen sich an eine neue (Zweit- oder Ziel-)Sprache und an andere Unterrichtsstile gewöhnen. Im Gegensatz dazu haben mehrsprachige Lernende der 3. Generation, die in der Regel nur auf Deutsch unterrichtet werden, ihre Familiensprachen nur selten im Mathematikunterricht verwendet. Daraus ergeben sich andere Herausforderungen für die Einführung mehrsprachigen Lehrens und Lernens. Durch den Vergleich von deutsch-türkischen Lernenden der 3. Generation und jugendlichen Geflüchteten aus arabischsprachigen Ländern, jeweils in der 7. Klasse, argumentiert dieser Beitrag für die wissensprozessierende Relevanz ihrer “mehrsprachigen Profilen“ (d. h. unter Einbeziehung der individuellen Sprachen und der Migrationsgeschichte) sowohl für linguistische Analysen als auch für die didaktische Gestaltung von Lernangeboten. Zu diesem Zweck wurde eine funktional-pragmatische Diskursanalyse von transkribierten Videodaten aus bilingualen Mathematiksitzungen mit bis zu vier mehrsprachigen Lernenden durchgeführt. Dies erlaubt es, diskursive mehrsprachige Profile zu charakterisieren und im Unterrichtsdiskurs unterschiedliche Perspektiven auf und Verbalisierungen von mathematischen Konzepten (hier: Brüche) zu unterscheiden. Darüber hinaus werden sprachspezifische Schnittstellen mentaler und sprachlicher Prozesse entfaltet, die neue Einblicke in das konzeptuelle Verstehen ermöglichen. Die Analyse konzentriert sich auf die Sprachen Deutsch, Türkisch und Arabisch und auf den Mathematikunterricht der 7. Klasse. Der Beitrag zeigt, dass die Aktivierung mehrsprachiger Ressourcen im Mathematikunterricht zu einem höchst erfolgversprechenden Ansatz für eine nachhaltige Integration von Migrantinnen und Migranten macht, da sie in die Lage versetzt werden, ihr fachbezogenes Wissen zu nutzen, das langfristig eine potenzielle Unterstützung für den Erwerb der Zielsprache auf vorakademischem Niveau birgt.