Hausaufgabenhilfe – wann ist sie wirklich hilfreich?

Von Schüler*innen oft als lästig empfunden, aber dennoch müssen sie gemacht werden: Hausaufgaben. Häufig erhalten Schüler*innen dabei Hilfe, sei es durch Eltern, im Rahmen der Hausaufgabenbetreuung in der Schule oder durch Nachhilfeunterricht. Eine IPN-Studie hat untersucht, wie gute außerunterrichtliche Unterstützung aussehen sollte und welche Schüler*innen davon im Besonderen profitieren.

von Lisa Benckwitz

Schüler*innen bearbeiten ihre Hausaufgaben in der Regel nicht im Klassenzimmer. Auch auf Klassenarbeiten bereiten sie sich zusätzlich zum Unterricht außerhalb der Schule vor. Die meisten Schüler*innen erhalten dabei Unterstützung – entweder zu Hause durch Erwachsene wie z.B. ihre Eltern, in Ganztagsschulen durch pädagogisches Personal oder durch externe Nachhilfelehrkräfte. Studien zeigen, dass Schüler*innen besser lernen und motivierter sind, wenn sie gute Unterstützung außerhalb des Klassenzimmers bekommen. Doch was heißt in diesem Zusammenhang gut?




Eine „gute“ Unterstützung zeichnet sich nicht (allein) durch ihren Umfang aus, sondern auch dadurch, wie sie konkret erfolgt. Studien aus dem Bereich der elterlichen Hausaufgabenhilfe zeigen zum Beispiel, dass es wichtig ist, selbstständiges Lernen zu unterstützen. Dies kann unter anderem dadurch geschehen, dass Eltern lernförderliche Strukturen etablieren, wie z. B. einen ruhigen Arbeitsplatz für ihr Kind einzurichten. Zusätzlich sollten sie für Fragen und Hilfestellungen ansprechbar sein. Empirische Befunde hingegen deuten darauf hin, dass stark kontrollierendes oder einmischendes Verhalten der Eltern bei der Bearbeitung von Hausaufgaben mit negativen Konsequenzen einhergeht. Ob solche Aspekte der Unterstützungsqualität auch auf andere Kontexte übertragbar sind, ist bisher wenig untersucht. Überdies weisen erste Studien darauf hin, dass nicht alle Schüler*innen in gleicher Weise positive Unterstützung erfahren. Folglich ist anzunehmen, dass nicht nur Merkmale des Kontexts (also elterliche Unterstützung, Hausaufgabenbetreuung im Rahmen der Ganztagsschule oder Nachhilfeunterricht) und die der beteiligten Erwachsenen eine Rolle spielen, sondern dass eine erfolgversprechende Unterstützung auch mit individuellen Merkmalen der Schüler*innen wie bisherigen Leistungen, dem Lernverhalten oder der Klassenstufe zusammenhängt.

Die hier vorgestellte IPN-Studie nahm dieses Thema in den Blick und untersuchte außerschulische Unterstützung in Abhängigkeit von individuellen Merkmalen von Schüler*innen in drei unterschiedlichen Kontexten:

  • elterliche Hausaufgabenhilfe
  • schulische Hausaufgabenhilfe
  • Nachhilfeunterricht

Die Studie adressierte in der vierten Klassenstufe den Zusammenhang zwischen elterlicher und schulischer Hausaufgabenhilfe auf der einen Seite und Leistung sowie Lernverhalten der Schüler*innen auf der anderen Seite. Dabei wurden die drei Fächer Deutsch, Mathematik und Sachkunde einbezogen. Anhand der Klassenstufen fünf bis neun wurde der Zusammenhang zwischen elterlicher Hausaufgabenhilfe und der Leistung sowie dem Lernverhalten der Jugendlichen untersucht. Zusätzlich wurde in der achten Klassenstufe Unterstützung durch Nachhilfelehrkräfte betrachtet; hierbei stand der Zusammenhang mit motivational-affektiven Merkmalen und dem Lernverhalten der Schüler*innen im Fokus. In den höheren Klassenstufen lag das Augenmerk in beiden Unterstützungskontexten auf den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch.


Nicht kontrollieren, sondern selbstständiges Lernen unterstützen!


Im Bereich der Hausaufgabenhilfe durch die Eltern zeigten sich negative Zusammenhänge zwischen Hausaufgabenhilfe und der Leistung von Schüler*innen in der vierten Klasse, wenn die Eltern sich einmischten oder kontrollierend verhielten. Unerwarteterweise zeigten sich auch bei einer hohen Ansprechbarkeit der Eltern negative Zusammenhänge. Dies könnte darauf hindeuten, dass zu viel direkte Hilfe bei den Hausaufgaben die Leistungsentwicklung von Grundschüler*innen beeinträchtigen könnte. Möglicherweise sollten Eltern also noch stärker das selbstständige Lernen ihrer Kinder unterstützen.

Bei der schulischen Hausaufgabenhilfe (durch pädagogische Fachkräfte im Rahmen der Ganztagsbetreuung) ergab sich folgender Zusammenhang zwischen der Hausaufgabenhilfe und dem Lernverhalten der Schüler*innen beim Erledigen der Hausaufgaben: Die Schüler*innen prokrastinierten mehr, schoben also das Erledigen ihrer Hausaufgaben auf, wenn sich die Betreuungspersonen ungefragt in die Hausaufgaben einmischten. Weitere Zusammenhänge zeigten sich nicht, was allerdings auch durch die eher geringe Stichprobengröße erklärbar sein könnte.

Abbildung 1: Effekte der elterlichen und schulischen Hausaufgabenhilfe auf die Leistung und das Lernverhalten von Schüler*innen bei Hausaufgaben.




Beim Nachhilfeunterricht zeigte sich ebenfalls ein Zusammenhang mit dem Lernverhalten von Schüler*innen in der achten Klasse. Sie beteiligten sich aktiver am Mathematikunterricht, zeigten also ein positiveres Lernverhalten, wenn sie von ihren Nachhilfelehrkräften ein konstruktives und wertschätzendes Feedback erhielten. In den Fächern Englisch und Deutsch zeigte sich dieser Effekt allerdings nicht.

Abbildung 2: Effekte des konstruktiven Feedbacks von Nachhilfelehrkräften auf die Motivation und das Lernverhalten.



Je höher die Klassenstufe ist und je geringer die Schulleistungen der Schüler*innen sind, desto weniger unterstützend ist eine Hilfe

Es wurde außerdem untersucht, welche Rolle individuelle Merkmale von Schüler*innen in der außerunterrichtlichen Unterstützung spielen. Hierbei wurden die Leistung, das Lernverhalten und die Klassenstufe berücksichtigt.

In Bezug auf die Hilfe durch Eltern bei der Bearbeitung von Hausaufgaben zeigte sich in der Grundschule, dass Schüler*innen mit geringeren bisherigen Leistungen und weniger positivem Lernverhalten eine weniger vorteilhafte Unterstützung erhielten. So mischten sich die Eltern von Schüler*innen mit schlechteren Noten in Mathematik, Deutsch und Sachkunde häufiger ungefragt in die Hausaufgaben ihrer Kinder ein. Außerdem waren die Eltern von Kindern, die häufig bei den Hausaufgaben prokrastinierten, weniger ansprechbar bei Problemen und weniger um eine lernförderliche Struktur bemüht.

In der schulischen Hausaufgabenhilfe zeigte sich, dass Schüler*innen mit besseren Noten ihre Hausaufgabenbetreuung als ansprechbarer wahrnahmen als diejenigen mit schlechteren Leistungen. Dieses Ergebnis deutet an, dass Schüler*innen mit guten Schulleistungen möglicherweise eher Unterstützung bei aufkommenden Fragen erhalten. Es ist allerdings auch möglich, dass Schüler*innen mit guten Noten ihre Hausaufgabenbetreuerinnen und -betreuer positiver wahrnehmen.

Abbildung 3: Effekte der Leistung und des Lernverhaltens von Schüler*innen bei den Hausaufgaben auf die elterliche und schulische Hausaufgabenhilfe.




In der Sekundarstufe zeigte sich, dass die Klassenstufe, in der sich Schüler*innen befinden, einen Einfluss auf die elterliche Hausaufgabenhilfe haben könnte. Es wurden sowohl günstige als auch ungünstige Effekte der Klassenstufe auf die Hausaufgabenhilfe deutlich. Die Eltern von Schüler*innen in höheren Klassenstufen waren weniger kontrollierend und mischten sich weniger in die Hausaufgaben ihrer Kinder ein. Allerdings waren diese Eltern auch weniger ansprechbar und weniger bemüht, eine lernförderliche Struktur herzustellen. Dieses Ergebnis ist besonders relevant, da auch ältere Schüler*innen von einer hohen Ansprechbarkeit und einer lernförderlichen Struktur profitieren.

Abbildung 4: Effekte der Klassenstufe auf die elterliche Hausaufgabenhilfe und Effekte der Hausaufgabenhilfe auf die Leistung und das Lernverhalten von Schüler*innen bei den Hausaufgaben.



Fazit

Zu viel direkte Hilfe bei den Hausaufgaben durch die Eltern kann bei Grundschüler*innen möglicherweise die Schulleistung negativ beeinflussen. In der Sekundarschule können elterliche Ansprechbarkeit, die Einrichtung einer lernförderlichen Struktur und der Verzicht auf Kontrolle durch die Eltern förderlich für das Lernverhalten während der Bearbeitung von Hausaufgaben sein. In der schulischen Hausaufgabenhilfe deutet sich ebenfalls an, dass ein Verzicht auf kontrollierendes und einmischendes Verhalten der pädagogischen Fachkraft von Nutzen für das Lernverhalten während des Bearbeitens von Hausaufgaben sein könnte. Im Nachhilfebereich kann ein konstruktives und wertschätzendes Feedback der Nachhilfelehrkraft zu einer aktiveren Beteiligung am Mathematikunterricht beitragen.

Bestimmte Merkmale von Schüler*innen spielen möglicherweise eine wichtige Rolle: Schüler*innen mit geringeren Schulleistungen, ungünstigerem Lernverhalten sowie in höheren Klassenstufen erhalten tendenziell eine weniger vorteilhafte außerschulische Unterstützung.


Über die Autorin:

Dr. Lisa Benckwitz hat an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Pädagogik und Soziologie studiert und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Erziehungswissenschaft und Pädagogische Psychologie am IPN. Hier beschäftigt sie sich mit der Wirksamkeit und Qualität außerunterrichtlicher Unterstützung unter Berücksichtigung individueller Merkmale von Schüler*innen. Die hier vorgestellten Ergebnisse sind Teil ihrer Dissertation. benckwitz@leibniz-ipn.de



Weiterführende Quellen:

Benckwitz, L., Guill, K., Roloff, J., Ömeroğulları, M., & Köller, O. (2022). Investigating the relationship between private tutoring, tutors’ use of an individual frame of reference, reasons for private tutoring, and students’ motivational-affective outcomes. Learning and Individual Differences, 95. https://doi.org/10.1016/j.lindif.2022.102137

Benckwitz, L., Kohl, K. Roloff, J., Lüdtke, O.,& Guill, K. (2023). Reciprocal relationships between parental and scholastic homework assistance and students’ academic functioning at elementary school. Frontiers in Psychology, 14. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1106362

Benckwitz, L., Kohl, K., Suárez, N., Núñez, J. C., Guill, K. (2024). Perceived quality of parental homework assistance, students’ homework behavior, and achievement in secondary school – Does grade level play a role?. Learning and Individual Differences, 110. https://doi.org/10.1016/j.lindif.2024.102422