Schulische Medienkompetenzförderung in einer digitalen Welt: Über welche digitalen Kompetenzen verfügen angehende Lehrkräfte?

Artikel in FachzeitschriftForschungbegutachtet

Publikationsdaten


VonMartin Senkbeil, Jan Marten Ihme, Christian Schöber
OriginalspracheDeutsch
Erschienen inPsychologie in Erziehung und Unterricht, 67
Seiten19
Herausgeber (Verlag)Ernst Reinhardt Verlag
ISSN0342-183X
DOI/Linkhttps://doi.org/10.2378/peu2020.art12d (Open Access)
PublikationsstatusVeröffentlicht – 05.2020

Die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft stellt Schulen vor die Herausforderung, Kindern und Jugendlichen stärker als bisher digitale Kompetenzen zu vermitteln. Angehende wie auch aktive Lehrpersonen nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, da sie sowohl über medienpädagogische als auch über digitale Kompetenzen verfügen müssen, um die Lehr- und Lern- Potenziale digitaler Medien systematisch ausschöpfen zu können. Obwohl es an empirischen Studien zu digitalen Kompetenzen von Lehramtsstudierenden mangelt, werden ihnen häufig defizitäre und im Sinne einer Negativselektion geringere digitale Kompetenzen unterstellt als Studierenden anderer

Fachrichtungen. Dieser offenen Frage gehen wir anhand von Sekundäranalysen des Nationalen Bildungspanels (NEPS) nach, indem die Daten von N = 1518 angehenden Studierenden sowie von N = 1766 fortgeschrittenen Studierenden im sechsten Fachsemester analysiert wurden. Die Analysen weisen sowohl für angehende als auch für fortgeschrittene Lehramtsstudierende auf Kompetenzdefizite im Vergleich zu Studierenden anderer Fachrichtungen hin, die einem kleinen Effekt entsprechen (0.32 ≤ d ≤ 0.47). Im Sinne einer negativen Binnenselektion verfügen vor allem Lehramtsstudierende ohne mathematisch-naturwissenschaftliches Unterrichtsfach über vergleichsweise geringe digitale

Kompetenzen. Weiterführend kann in Bezug auf normativ festgelegte Mindeststandards digitaler Kompetenzen gezeigt werden, dass diese von substanziellen Anteilen der angehenden und fortgeschrittenen

Lehramtsstudierenden (25 % bzw. 53 %) nicht erreicht werden. Abschließend diskutieren wir mögliche Implikationen für die Lehramtsausbildung.