Diversity-Seminar: Physik-Unterricht als "Welt in die viele Welten passen"

Unterrichts- und Fortbildungsmaterial (z.B. OER)Unterrichts- und Fortbildungsmaterial

Publikationsdaten


VonAdrian Grimm
OriginalspracheDeutsch
Zusätzliche InformationLia-Script enthält Verlaufspläne und LibreOffice-Impress-Präsentationen der Präsenzsessions, Links zu Video-Inputs, sowie ZIP-Datei-Vorlagen für die Unterrichtseinheiten der Student*innen
DOI/Linkhttps://liascript.github.io/course/?https://codeberg.org/api/v1/repos/AdrianGrimm/Diversity-Seminar/raw/README.md?ref=main#1 (Open Access)
PublikationsstatusVeröffentlicht – 03.2026

Seminar für Physik-Lehramt. Master-Studium. Umfasst ca. 150 Stunden. Begleitmaterial für Lehrende an Hochschulen inklusive Präsentationen, Prüfungs-Leistungskriterien, Verlaufspläne für Präsenz-Sessions, und Vieles mehr. Uns beschäftigt die Frage: Wie kann eine Praxis als Physiklehrer*in aussehen, bei der Soziale Gerechtigkeit angestrebt wird? Seit Jahrzehnten sehen wir Unter-Repräsentationen in Physik-nahen Berufen: weniger Frauen, weniger Menschen of Colour, weniger Menschen aus Haushalten mit wenig Geld, und so weiter. Und das obwohl beispielsweise Mädchen ähnlich gute Noten schreiben in Physik. Forschung der vergangenen Jahre hat gezeigt: Es geht eben nicht nur um Noten. Es geht insbesondere darum, wer sich mit Physik und Naturwissenschaften identifizieren lernt - und wer nicht. Also um die Frage, wer eine naturwissenschaftliche Identität entfaltet. Und wer dazu im Ökosystem Schule (nicht) eingeladen wird. Dabei spielen Fach-Lehrer*innen eine ganz zentrale Rolle, weil ihr Feedback das Feedback von einer kompetenten Person ist, also wertvoll ist. Gleichzeitig sind Physik-Lehrer*innen keine Diversitäts-Expert*innen - und sollen es auch nicht werden. Das wäre zu viel verlangt, wo doch schon so viele Aufgaben auf ihnen lasten. Im Seminar geht's jetzt darum, eine Brücke zu schlagen zwischen dieser Relevanz auf der einen Seite und den limitierten Ressourcen auf der anderen Seite. Unser Ansatz: Kritisches Bewusstsein entwickeln wie Paulo Freire und bell hooks es vorgeschlagen haben, also Verständnisse, Haltungen, und Handlungs-Routinen. Dafür entwickeln Student*innen in 2-3er-Gruppen eine Physik-Unterrichts-Einheit, die ca. 5 Stunden umfasst und gleichzeitig einen strukturellen Beitrag leistet zum Abbau von Unter-Repräsentationen. Die entwickelten Unterrichts-Einheiten werden am Ende des Seminars als offene Bildungs-Materialien veröffentlicht. Wir holen die tatsächlichen Schwierigkeiten, Bedenken, und Konflikte in den Seminarraum, indem wir Bildungsstandards und Diversität gleichzeitig behandeln. Und dann diskutieren wir, dann streiten wir, dann reflektieren wir. Ziel ist kein gemeinsamer Konsens - wir schaffen einen Raum, in dem alle Student*innen ihr individuelles kritisches Bewusstsein entfalten können innerhalb des demokratischen Grundkonsens. Und so schaffen wir die Grundlage für Physik-Unterricht als "befreiende Praxis" im Sinne von Paulo Freire und hooks!