Persönlichkeits- und Kometenzentwciklung: Bildung für eine Demokratische Gesellschaft
Bericht zur 18. SH-Sommeruniversität in der Akademie Sankelmark
von Jens Möller (Institut für Pädagogisch-Psychologische Lehr- und Lernforschung, Universität Kiel)
Die 18. Sommeruniversität fand vom 09. bis zum 11. Juli 2026 in Sankelmark statt. In diesem Jahr standen neben der Kompetenzentwicklung zwei Themen im Mittelpunkt, die ebenfalls zentrale Ziele unseres Bildungssystems sind: die Persönlichkeitsentwicklung und die Demokratiebildung. In ihrem Begrüßungsstatement begründete Frau Dr. Maike Abshagen vom Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur (MBWFK) die Dringlichkeit, diese Ziele parallel in Schleswig-Holstein zu verfolgen. Anschließend wurden von Herrn Dr. Stefan Schipolowski vom IQB in Berlin die Ergebnisse des Bildungstrends 2024 mit besonderem Blick auf die Kompetenz- und Motivationsentwicklung in Schleswig-Holstein präsentiert (der Vortrag kann unter diesem Link nachträglich angeschaut werden). Bundesweit sinken die Kompetenzen in Mathematik, Chemie, Physik und Biologie, was sich vor allem bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zu einem großen Teil auf geringere Deutschkenntnisse zurückführen lässt. Schleswig-Holstein liegt im bundesweiten Mittel. Auch das Interesse und die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten in diesen Fächern sind gesunken. Die Verbundenheit der Schülerinnen und Schüler mit der Schule ist weiterhin hoch, ebenso die Berufszufriedenheit der Lehrkräfte und ihr Enthusiasmus für das Unterrichten. Wie Schleswig-Holstein den Herausforderungen begegnet, beschrieben Herr Philipp Möller vom IQSH und, bezogen auf eine besondere Gruppe von Schulen, Frau Jytte Stappert von der Insel- und Halligschule anschaulich. Die Podiumsdiskussion mit dem Titel „Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung – Maßnahmen und Erfahrungen in Schleswig-Holstein“ wurde von Prof. Jens Möller (CAU Kiel) mit einer kurzen Einführung in die besonders schulrelevanten Persönlichkeitsmerkmale Motivation und Selbstkonzept vorbereitet. Bei der Podiumsdiskussion am späten Nachmittag diskutierten Herr Alexander Kraft (MBWFK), Frau Dr. Gesa Ramm (IQSH), Herr Prof. Dr. Olaf Köller (IPN), Herr Dr. Schipolowski und Frau Stappert unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Jens Möller (CAU Kiel) die Entwicklungen mit Blick auch auf das Startchancenprogramm und dessen Umsetzung in Schleswig-Holstein, unter reger Beteiligung des Auditoriums.
Der zweite Tag schloss thematisch unmittelbar an mit dem Vortrag von Prof. Dr. Uta Klusmann (HU Berlin) zum Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern. Sie leitet im Rahmen des Startchancen-Programms das Zentrum, das sich mit der evidenzbasierten Förderung überfachlicher Kompetenzen sowie der Berufsorientierung befasst.
Anschließend erläuterte Frau Prof. Dr. Felicitas Thiel (FU Berlin) den aktuellen Stand zu sozial-emotionalen Kompetenzen und Wohlbefinden aus Sicht der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK), deren Co-Vorsitzende sie ist (der Vortrag kann unter diesem Link nachträglich angeschaut werden). Den Bezug zu entsprechenden Initiativen zur Förderung des Wohlbefindens und der Persönlichkeitsentwicklung in Schleswig-Holstein stellte Dr. Manfred Böge vom IQSH-Zentrum für Prävention her. Dabei wurden verschiedene universelle und themenspezifische Präventionsprogramme in Schleswig-Holstein vorgestellt. Der Schleswig-Holstein-Bezug wurde wiederum von Matthias Habetha (IQSH), Torsten Hardt (IQSH) und Nadine Lenz (Weingartenschule, Lauenburg/Elbe) aufgegriffen, die ihre Ergebnisse und Erfahrungen mit dem Schülerfeedback in Schleswig-Holstein präsentierten. Bevor der alljährliche Ausflug gestartet wurde, präsentierte Prof. Dr. Olaf Köller (IPN) die sehr aktuellen Ergebnisse der von ihm geleiteten Expertenkommission der Bundesregierung zu Social Media und Wohlbefinden, die, wie die anderen Beiträge, engagiert diskutiert wurden. Der abschließende Samstag begann mit einer Präsentation von Frau Prof. Dr. Nicola Brauch (Ruhr-Universität Bochum) zur Demokratiebildung in der Schule, einem ebenfalls sehr aktuellen Problem angesichts jüngster Wahlumfragen (der Vortrag kann unter diesem Link nachträglich angeschaut werden). Deutlich wurden Herausforderungen, die mit relativ weit verbreiteten rechtsextremen, antisemitischen und antimuslimischen Einstellungen von Schülerinnen und Schülern zusammenhingen. Diskutiert wurde u. a., wie das Neutralitätsgebot fälschlicherweise oft dazu führt, kritische Themen zu beschweigen. Über die Lage in Schleswig-Holstein sprach Frau Meike Witte, die am MBWFK das dortige Themengebiet Demokratiebildung verantwortet. Sie wies eindringlich auf die Aufgabe der Lehrkräfte hin, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen. Mit einem Einblick in das Projekt Model United Nations of Lübeck präsentierte der Schulleiter der Thomas-Mann-Schule in Lübeck (Herr Rother) ein Beispiel für ein gelungenes Schulvorhaben zur Demokratiebildung.
In der abschließenden Diskussion wurde die sehr hohe allgemeine Zufriedenheit mit der Veranstaltung und den spezifischen Themen deutlich. Zudem wurden zahlreiche Themen vorgeschlagen, die bei der nächsten Sommeruniversität behandelt werden könnten. Wir danken allen Referentinnen und Referenten für eine erneut spannende, abwechslungsreiche und intensive Veranstaltung (ausgebucht). Und wir danken den Teilnehmenden, die mit ihren lebendigen Diskussionsbeiträgen die Veranstaltung ausmachten.