Tobias Thiele
Fachbezogener Erkenntnistransfer
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Das Startchancen-Programm hat zum Ziel, dass mehr Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Kontexten die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik erreichen. Konzepte zum Aufarbeiten von mathematischen Basis- und Kernkompetenzen haben sich an einigen Schulen bereits bewährt, nun werden sie für viele andere Schulen verfügbar gemacht. Dazu trafen sich 237 Fachleute am 23. und 24. Februar 2026 an der Technischen Universität Dortmund zur zweiten bundesweiten Startchancen-Mathematik-Tagung.



Im Mittelpunkt der Tagung standen Qualifizierung, Vernetzung und ein gemeinsames Ziel: Die Startchancenschulen dabei zu unterstützen, die mathematischen Basis- und Kernkompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Die große Resonanz zeigte sich in der Zusammensetzung der Teilnehmenden: 175 Fortbildende aus der Primarstufe und der Sekundarstufe 1 kamen, um sich auf die Leitung von Mathematik-Schulnetzwerken vorzubereiten. 47 Teilnehmende aus Landesministerien und Landesinstituten tragen in ihren Bundesländern Verantwortung für die Umsetzung und Koordination des Startchancenprogramms. 25 Personen aus dem Deutschen Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (DZLM) und dem Chancenverbund leiteten in Dortmund Workshops oder Qualifizierungen und unterstützten die Organisation der Tagung.
Den inhaltlichen Auftakt machte Prof. Dr. Susanne Prediger. Ihr Kerngedanke: Wenn Kinder und Jugendlichen Rechenfertigkeiten nachhaltig und flexibel anwenden sollen, müssen sie verstanden haben, was die Zahlen und Operationen bedeuten. Verstehenslücken sollten gezielt aufgearbeitet werden, um langfristiges Weiterlernen zu ermöglichen. Das ist der Anspruch, den das Kompetenzzentrum Mathematik verfolgt.
Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Lehrkräfte, die auch Lernende mit noch ausbaubedürftigen Lernvoraussetzungen nicht nur schonen, sondern gezielt fördern. Die gemeinsame Haltung, auf die es ankommt: Alle haben ein Recht darauf, Mathematik zu verstehen und Lehrkräfte können es schaffen, Mathe verständlich zu machen. Dafür braucht es Mut und fachbezogene Kooperation.


Wie gezielte Förderung konkret im Unterricht realisiert werden kann, wurde im Kompetenzzentrum gemeinsam mit erfahrenen Lehrkräften erprobt und in Unterrichts- und Fortbildungsmaterialien gefasst. Auf der Tagung erarbeiteten die Fortbildenden unterschiedlichen Module für die Arbeit mit Lehrkräften zu arithmetische Basiskompetenzen im Jahrgang 1/2 und 5/6. Für einige von ihnen war es der Start in die Qualifizierung, andere sind schon seit fast einem Jahr dabei und begannen bereits mit ihrem zweiten Modul. Insgesamt wurden in Dortmund acht Modulbausteine angeboten. Onlineveranstaltungen in den kommenden Monaten komplettieren die Qualifizierungen.
Ergänzt wurden die Workshops durch Vertiefungs- und Austauschrunden: Landeskoordinierende nutzten beispielsweise die Gelegenheit, wie sie die Schulen gut begleiten können, Erfahrungen mit den Modulen auszutauschen und gemeinsam zu planen, was noch weiterentwickelt werden sollte. Ein weiterer Höhepunkt im Programm war der Vortrag von Prof. Dr. Rösken-Winter von der Universität Münster am zweiten Tag. Sie richtete den Blick darauf, wie Transfer von fachbezogenen Erkenntnissen gelingen kann, sei es im Rahmen von Qualifizierungen, in Fachnetzwerken oder im Kollegium.
Mit der zweiten bundesweiten Tagung gewinnt die Förderung der mathematischen Basiskompetenzen im Startchancen-Programm an Dynamik. Viele Teilnehmenden werden in den kommenden Monaten damit beginnen, Lehrkräfte in den Fachnetzwerken fortzubilden und so das in Dortmund Erarbeitete in den Schulen zum Leben zu erwecken.



Das Startchancen-Programm wird getragen vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und 16 Bildungsministerien der Länder. Es wird wissenschaftlich begleitet vom Chancenverbund mit mehreren Kompetenzzentren, mit finanzieller Förderung durch das BMBFSFJ. Als Kompetenzzentrum Mathematik fungiert das Deutsche Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (DZLM) am IPN Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik. Es entwickelt und disseminiert Unterrichtskonzepte und -materialien zur Stärkung von Basiskompetenzen, Konzepte und Materialien für fachbezogene Unterrichtsentwicklung und die Unterstützungssysteme. Die initiierten Prozesse von Lernenden, Lehrkräften und Schulen werden empirisch untersucht, um die Konzepte immer treffsicherer auszugestalten. Neben dem IPN sind sechs DZLM-Hochschulstandorte beteiligt:
TU Dortmund
- Prof. Dr. Susanne Prediger
(Projektleitung: TU Dortmund & IPN)
- Prof. Dr. Daniela Götze
- Prof. Dr. Christoph Selter
Universität Münster
- Prof. Dr. Marcus Nührenbörger
- Prof. Dr. Bettina Rösken-Winter
- Prof. Dr. Gilbert Greefrath
Universität Osnabrück
- Prof. Dr. Hedwig Gasteiger
Universität Paderborn
- Prof. Dr. Lena Wessel
Universität Potsdam
- Prof. Dr. Birte Pöhler-Friedrich
- Prof. Dr. Ulrich Kortenkamp
Pädagogische Hochschule Freiburg
- Prof. Dr. Frank Reinhold
- Prof. Dr. Timo Leuders
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