Christine Köhler
Didaktik der Chemie
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Am Dienstag, 19. Mai, trafen sich die diesjährigen Landessiegerinnen und -sieger des Wettbewerbs Jugend forscht in Kiel, um sich gemeinsam mit dem Team der MINT-Akademie auf das Bundesfinale in Herzogenaurach vorzubereiten. Die neun Jugendlichen, die sich Ende März beim schleswig-holsteinischen Landeswettbewerb am Institut für Informatik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erfolgreich gegen ihre Konkurrenz durchgesetzt hatten, erhielten dabei letzte Tipps für die Jurygespräche sowie Einblicke in aktuelle Forschung an der Kieler Universität. Außerdem nutzten sie den Coaching-Tag in der Kieler Forschungswerkstatt, um sich untereinander besser kennenzulernen und als Team Schleswig-Holstein für die 61. Ausgabe des Bundeswettbewerb vom 28. Bis 31. Mai in Herzogenaurach zusammenzuwachsen.
Im Schülerforschungszentrum der Kieler Forschungswerkstatt bereiteten sich die 16- bis 19-jährigen Nachwuchsforschenden am Vormittag zunächst auf die Jury-Gespräche vor. Dr. Christine Köhler, Leitung der Kieler Forschungswerkstatt und selbst langjährige Jurorin sowie Projektbetreuerin bei Jugend forscht, und Dr. Florian Uellendahl-Werth, Mitarbeiter der MINT-Akademie, Projektbetreuer und ehemaliger Teilnehmer des Bundeswettbewerbs Jugend forscht, gaben dabei nützliche Ratschläge für den großen Auftritt in Herzogenaurach.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen begleitete MINT-Akademie-Mitarbeiterin Nele Heuer vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) die Teilnehmenden zum Zoologischen Institut der Uni Kiel. Hier erhielten sie einen Einblick in die Arbeitsgruppe für Funktionelle Morphologie und Biomechanik. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe von Professor Stanislav N. Gorb vereint Zoologie, Biomechanik, Physik und Materialwissenschaften, um insbesondere Eigenschaften von Oberflächenstrukturen zu analysieren.
Bei einem Rundgang durch die Labore zeigte Dr. Thies Büscher, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG Gorb, den Jugendlichen, mit welchen Methoden die Forschenden arbeiten. Außerdem erfuhren sie, wie der Einsatz von Elektronmikroskopen, hochauflösenden Kameratechniken oder Simulationstechniken die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützt zu erforschen, wie Funktionen in der Biologie bei Pflanzen und Tieren realisiert werden. Auch lernten die Schülerinnen und Schüler, wie sich daraus physikalische Gesetzmäßigkeiten ableiten lassen und technische Lösungen nach dem Vorbild der Natur optimiert oder nachempfunden werden können.



Insgesamt 18 Projekte waren beim schleswig-holsteinischen Landeswettbewerb in der Sparte Jugend forscht angetreten. Die Erstplatzierten haben das Ticket für die Teilnahme am Bundeswettbewerb gelöst. Dieser findet vom 28. bis 31. Mai 2026 in Herzogenaurach statt und wird von der Stiftung Jugend forscht e.V. zusammen mit der Schaeffler AG ausgerichtet. Folgende fünf Projekte gehen für Schleswig-Holstein an den Start:
Christoph Julius von Rodbertus (17) und Philipp Grieffenhagen (17) entwickelten in ihrem Projekt Anti-Spy ein KI-gestütztes System zur frühzeitigen Erkennung und Abwehr unerwünschter Drohnen. Eine stationäre Kamera überwacht den Luftraum, eine Abwehrdrohne sprüht nach Freigabe eine trübende Flüssigkeit auf deren Kamera – nicht-destruktiv und sicher.
Im Projekt Klassenbuch 4.0 entwickelten Fabian Stamer (19), Hanna Svea Deprez (19) und Abdulghani Chaudhary (19) ein digitales Klassenbuch mit RFID-Chips. So melden sich Schüler*innen beispielsweise per kurzem Auflegen eines Chips an und dokumentieren ihre Anwesenheit. Dadurch kann wertvolle Unterrichtszeit gespart werden.
In ihrem Projekt „Mythos Zwiebel?“ untersuchte Maxima-Soraya Svensson (18) die antibiotische Wirkung der Zwiebel. Hierzu verglich sie die Zwiebel mit synthetischen Antibiotika und anderen Naturstoffen wie Ingwer.
Paul Brock (16) erforschte in seinem Projekt, ob Blattöffnungen (Stomata), hier am Beispiel von Giersch, auf Schallwellen reagieren und sich dabei öffnen oder schließen. Ziel ist zu prüfen, ob sich so Wasserverlust verringern oder Düngemittel effizienter einsetzen lassen.
Das Projekt von Vincent Habetha (17) und Liam Simmons (16) untersuchte die anionische Polymerisation von Ethylcyanacrylat, dem Hauptbestandteil von Sekundenkleber. Durch variierte Reaktionsbedingungen und Lösungsmittel wollen die Jugendlichen die Produkteigenschaften gezielt beeinflussen. Ziel sind recyclingfähige Thermoplaste mit neuen Einsatzmöglichkeiten.
Mit der MINT-Akademie im Netzwerk Schülerforschungszentren Schleswig-Holstein erhalten Schülerinnen und Schüler eine möglichst breite und intensive Förderung in den Bereichen Mathe, Naturwissenschaften, Informatik und Technik (MINT). Interessierte wie talentierte Kinder und Jugendliche können über die Schülerforschungszentren sowie weitere Partnereinrichtungen in ganz Schleswig- Holstein zusätzliche Angebote wahrnehmen. Darüber hinaus können sie sich mit Forschenden, aber auch untereinander, vernetzen und austauschen. Die Beschäftigung mit MINT-Themen über den Unterricht hinaus soll so schrittweise einen vergleichbaren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen wie der Besuch von Sportvereinen oder Musikschulen.
Die MINT-Akademie ist eine gemeinsame Initiative des Ministeriums für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik.