Daten gezielt nutzen – SWK veröffentlicht Gutachten zur Verbesserung der Bildungsqualität durch datengestützte Entwicklung und Steuerung

Die Ständigen Wissenschaftlichen Kommission hat heute ihr neues Gutachten „Datengestützte Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindlicher Bildung“ veröffentlicht. Datengestützte Entwicklung ist ein zentraler Hebel, um den aktuellen Herausforderungen im Schulsystem – wie steigender Heterogenität und sinkender Bildungsqualität – wirksam zu begegnen. Lehrkräfte und Schulleitungen erhalten nicht nur Instrumente zur Erfassung von Lernstand und Lernentwicklung, sondern auch zur gezielten Förderung ihrer Schüler*innen. Gleichzeitig können mithilfe aussagekräftiger Daten Teamarbeit sowie die Zusammenarbeit mit Eltern nachhaltig im Schulalltag verankert werden.

Das Gutachten bietet eine systematische Zusammenschau und Beurteilung der bereits implementierten Instrumente und Verfahren zur Datenerfassung, Datenaufbereitung und Nutzung in den Bereichen Schule und frühkindliche Bildung. Zudem werden Hindernisse und Gelingensbedingungen einer effektiven Nutzung von Daten identifiziert und konkrete Empfehlungen für eine Weiterentwicklung von Diagnosetools sowie für eine wirksame Arbeit mit Daten formuliert.

Die Kommission stellt fest, dass eine Qualitätsverbesserung des Schulsystems nur dann funktioniert, wenn die Datennutzung der verschiedenen Akteure wie Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulaufsichten ineinandergreift und eine Kultur des Hinschauens auf allen Ebenen verankert wird. Voraussetzungen einer effektiven Datennutzung sind ein kohärentes, auf die Bildungsstandards bezogenes Testsystem und wirksamkeitsgeprüfte Unterstützungsmaßnahmen wie Fördermaterialien und Fachberatungen, die insbesondere für Lehrkräfte und Schulleitungen niedrigschwellig zugänglich sind.

Die Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass es Anstrengungen auf allen Ebenen des Systems mit klaren Entwicklungszielen braucht. Mit einer gemeinsamen Anstrengung von Ländern, Bund und Wissenschaft können datenschutzkonforme und nutzerfreundliche Infrastrukturen entwickelt und Akteure wie Schulaufsichten, Schulleitungen und Lehrkräfte qualifiziert werden. Wenn man Lehrkräften mindestens alle zwei Jahre Daten aus zentralen Lernstandserhebungen zur Verfügung stellt und diese mit Fördermaterialien und Fachberatung verknüpft, können datengestützte Unterrichtsentwicklung und adaptive Lernförderung gelingen. Das Gutachten gibt auch für das Startchancen-Programm konkrete Hinweise zur Implementation datengestützter Entwicklung und Steuerung von Schulen.

Anna Stolz, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und Bayerische Kultusministerin, erklärt:

„Das Gutachten der SWK zeigt sehr klar: Entscheidend ist, dass wir vorhandene Daten und Erkenntnisse im Bildungssystem konsequent nutzen. Es geht darum, sie in konkrete Maßnahmen zu übersetzen und in der Praxis konkret umzusetzen. Wir müssen von Daten zu Taten zu kommen. Daran arbeiten die Länder gemeinsam, wir stärken eine datengestützte Qualitätsentwicklung, die Lehrkräfte gezielt unterstützt und für bessere Bildung für alle Kinder sorgt.“

Prof. Dr. Felicitas Thiel, Co-Vorsitzende der SWK und Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der Freien Universität Berlin, hat die Erstellung des Gutachtens koordiniert. Sie sagt:

„Unser Ziel ist es, die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards nicht erreichen, deutlich zu verringern. Dafür brauchen wir nicht nur zentrale Lernstandserhebungen, die frühzeitig anzeigen, wenn Kinder und Jugendliche basale Kompetenzen nicht erwerben, sondern auch lernprozessbegleitende Diagnosetools, die mit Fördermaterialien eng verknüpft sind. Daten dürfen nicht zur zusätzlichen Belastung für Lehrkräfte werden, sondern müssen in die Prozesse der Lernförderung und Unterrichtsentwicklung selbstverständlich integriert werden. Datenrückmeldungen sollten sich deshalb am Grundsatz der Datensparsamkeit orientieren und sich auf wesentliche, aussagekräftige Daten beschränken.“

Prof. Dr. Olaf Köller, Co-Vorsitzender der SWK und Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) hat sich besonders mit dem Systemmonitoring beschäftigt:

„Daten aus nationalen und internationalen Bildungsstudien machen für die Politik nicht nur Handlungsbedarf sichtbar, sie sind auch unverzichtbar für die Identifikation von Ansatzpunkten für Reformprogramme und länderübergreifende Maßnahmen. Wir raten deshalb dazu, nationale und internationale Schulleistungsstudien weiterzuentwickeln und die Bildungsberichterstattung zu verstetigen. Sie sind einer effektiven Lern- und Entwicklungsförderung aller Kinder und Jugendlichen verpflichtet.“

Die Kommission stellt fest, welche Daten zentral für die Entwicklung der Bildungsqualität sind und wer welche Daten in welcher Auflösung benötigt. Sie empfiehlt notwendige Maßnahmen, damit die Datenrückmeldung in die Entwicklung mündet, und nennt die Voraussetzungen für eine wirksame Datennutzung.

Die Kommission empfiehlt auch Datenrückmeldungen an Eltern. Insbesondere Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf profitieren von verlässlichen Erziehungs- und Bildungspartnerschaften, die nicht nur Eltern einbeziehen, sondern auch weitere pädagogische Fachkräfte, wie die Kinder- und Jugendhilfe und bei Bedarf auch medizinisch-therapeutische Partner. Die gemeinsame Nutzung von Daten ermöglicht, dass alle an einem Strang ziehen und Förder- und Unterstützungsmaßnahmen im Interesse des Kindes aufeinander abgestimmt werden.

Neben dem Schwerpunkt auf Schulen nimmt das Gutachten die frühkindliche Bildung sowie deren Besonderheiten und Potenziale der Datensteuerung in den Blick. Die Kommission sieht hierbei einen hohen Bedarf an einem Monitoring der Entwicklungsverläufe sowie an der kontinuierlichen Evaluation der Interaktionsqualität. Eine systematische Nutzung valider Daten auf den verschiedenen Ebenen des Systems der Frühen Bildung kann entscheidend zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität beitragen.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) ist ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK). Seit der Verabschiedung der Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring durch die Kultusministerkonferenz im Jahr 2006 wurden von Bund und Ländern zahlreiche Instrumente zur Erfassung und Aufbereitung von Daten für unterschiedliche Akteure im Mehrebenensystem Schule implementiert. In ihrem aktuellen Gutachten sichtet die SWK diese Instrumente, bewertet sie und formuliert auf der Grundlage des internationalen Forschungsstandes Empfehlungen für eine kohärente Strategie datengestützter Entwicklung und Steuerung von Schulen.

Weitere Informationen

  • SWK Talkreihe „Datengestützte Entwicklung und Steuerung“, Folge 1 „Vorstellung des Gutachtens“ am 20.04.2026, 14:00 bis 15:00 Uhr zur Anmeldung https://www.swk-bildung.org/termine/

Pressekontakt

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Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK)
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