Welche Rolle spielt Bildung für klimafreundliches Handeln?

Climate Literacy

Climate Literacy

Welche Rolle spielt Bildung für klimafreundliches Handeln?

Climate Literacy

Vom individuellen Handeln zum gesellschaftlichen Wandel

Der menschengemachte Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer globalen Gesellschaft – heute und in Zukunft.
Im Alltag stehen wir dabei oft vor Zielkonflikten: Persönliche Freiheit, Bequemlichkeit oder finanzielle Überlegungen gewinnen häufig die Oberhand gegenüber dem Vorsatz, klimafreundlich zu handeln – sei es bei der Wahl des Verkehrsmittels, beim Ausschalten von Standby-Geräten oder beim Kauf der neuesten Produkte.

Doch wirksamer Klimaschutz hört nicht beim individuellen Verhalten auf. Ebenso entscheidend, wenn nicht sogar viel relevanter, ist der Beitrag des kollektiven und gesellschaftlichen Handelns: Dazu zählen die Akzeptanz politischer Maßnahmen, das Engagement in demokratischen Prozessen, Beteiligung an Demonstrationen oder auch einfach das Gespräch über den Klimawandel im Freundes- und Familienkreis.

Welchen Beitrag kann Bildung leisten, um Lernende dazu zu befähigen, sich in solche Prozesse informiert, reflektiert und mitgestaltend einzubringen?

Das Ziel der Klimabildung: Climate Literacy

Climate Literacy, also eine „Klima-Grundbildung“, soll Menschen in die Lage versetzen, sich komplexen Herausforderungen differenziert zu nähern.  Sie umfasst einerseits kognitive Aspekte wie Wissen über das Klimasystem und den natürlichen und menschengemachten Klimawandel und die Fähigkeiten, klimabezogene Daten und Abbildungen zu verstehen, zu interpretieren und zu kommunizieren. Andererseits gehören auch sozial-psychologische Aspekte wie Einstellungen in Bezug auf den Klimawandel, wobei hiermit zum Beispiel Risikowahrnehmung, Wertorientierungen oder Hoffnung gemeint sind.

Ein zentrales Bildungsziel ist es, Unsicherheiten und Spannungsfelder einordnen zu können – denn „den einen richtigen Weg“ gibt es häufig nicht. Durch das Zusammenspiel dieser drei Aspekte fördert Bildung neben der kritischen Auseinandersetzung mit eigenen Einstellungen und Handlungsoptionen auch die persönliche Resilienz von Lernenden, um dem Klimawandel aktiv, reflektiert und hoffnungsvoll zu begegnen

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Projekte im Projektverbund

Der Projektverbund CLiF - Climate Literacy in Focus besteht zur Zeit aus vier verschiedenen Projekten, die wir Ihnen hier im Detail vorstellen möchten.

BriCCS - Welche Rolle spielt Risikowahrnehmung für Lernprozesse?

Im Projekt BriCCS (Bringing Climate Change to School) arbeiten wir eng mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Karlstad in Schweden zusammen. Ziel ist es herauszustellen, wie Bildungsangebote im Sinne einer Climate Literacy so gestaltet werden können, dass sie neben Wissen und Fähigkeiten auch ein Bewusstsein für die Risiken des Klimawandels vermitteln und dadurch die Motivation, klimafreundlich zu handeln, stärken.

Das erste Teilziel besteht darin, das Zusammenspiel der verschiedenen Aspekte einer Climate Literacy (Wissen, Fähigkeiten, motivationale Faktoren) zu untersuchen. Daran anknüpfend untersuchen wir, welche Aspekte von Climate Literacy insbesondere solche Personen charakterisieren, die bereits klimaschonend leben und sich auch aktiv für eine entsprechende Lebensweise einsetzen (z. B. in der Fridays-for-Future-Bewegung). In beiden Teilstudien befragen wir auch Lehrkräfte, um die Bedeutung und den Einsatz des Themas in den verschiedenen Unterrichtsfächern zu erfassen.

Der naturwissenschaftliche Unterricht in der Schule legt den Grundstein für eine lebenslange Entwicklung von Wissen und Fähigkeiten, die zur Bewältigung des Klimawandels und seiner Auswirkungen erforderlich sind. Bisher fehlen empirisch gesicherte Ergebnisse, die zeigen, welche Merkmale von Lerngelegenheiten im naturwissenschaftlichen Unterricht für die Unterstützung von Climate Literacy relevant sind. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten beiden Teilstudien sollen im BriCCS-Projekt entsprechend entwickelte Lerngelegenheiten in Interventionsstudien auf ihre Effektivität hin untersucht werden.

AnCHoR: Einstellungen als Schlüssel für Klimabildung

Projektverantwortliche:
Christina Blume
Dr. Carola Garrecht
Prof. Dr. Ute Harms

Das Projekt AnCHoR (Analyzing Climate Hope and Risk Perception) widmet sich der Frage, wie Risikowahrnehmung und Hoffnung im Kontext des Klimawandels gemeinsam wirken – und welche Bedeutung dieses Zusammenspiel für die Gestaltung wirksamer Klimabildung im Sinne der Climate Literacy hat.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Risikowahrnehmung ein wichtiger Prädiktor für klimafreundliches Verhalten sein kann – gleichzeitig jedoch auch mit Klimaangst einhergehen kann, welche Menschen lähmt und so vom Handeln abhält. Hoffnung wiederum gilt als emotionale Ressource, die zur Entwicklung von Selbstwirksamkeit und Handlungsbereitschaft beitragen kann. Jedoch kann auch Hoffnung Menschen vom Handeln abhalten, wenn sie die Verantwortung für die Lösungsfindung in naive Quellen verlagern, zum Beispiel in technologische Innovationen. In AnCHoR untersuchen wir, wie beide Konstrukte – Hoffnung und Risikowahrnehmung – bei Schüler*innen zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen.

Im Rahmen verschiedener Studien untersuchen wir, wie Schüler*innen den Klimawandel wahrnehmen und wie wir verschiedene sozial-psychologische Apsekte der Climate Literacy gezielt fördern können. Ziel ist es, ein differenzierteres Bild davon zu gewinnen, wie sozial-psychologische Aspekte in Bildungsangeboten nachhaltig gestärkt und genutzt werden können – zum Beispiel im Biologieunterricht, wo Themen wie Ernteausfälle, Pandemien oder der Verlust von Biodiversität ohnehin präsent sind.

Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, Klimabildung stärker an den emotionalen Bedürfnissen von Lernenden auszurichten und Resilienz, Selbstwirksamkeit und zukunftsgerichtete Handlungsmöglichkeiten gezielt zu fördern. Die Ergebnisse liefern auch eine empirische Grundlage für die Entwicklung neuer, sozial-psychologisch ausgerichteter Unterrichtseinheiten und Bildungsformate im Sinne einer zeitgemäßen Climate Literacy.

EnergieweltenPLUS: Was ist guter Unterricht zum Klimawandel und wie kann man ihn lernen?

Wenn Climate Literacy eine der Grundlagen für klimafreundliches Handeln und die Beteiligung an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen ist, so sollte diese auch im Unterricht entsprechend berücksichtigt werden. Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass sich der Klimawandel und seine Ursachen und Folgen nicht einem einzigen Unterrichtsfach zuordnen lassen, sondern stark interdisziplinär
sind. Dies spricht für eine Auseinandersetzung mit dem Thema über Fächergrenzen hinweg, was sich nicht immer ganz unkompliziert gestaltet. Welche Aspekte sollten in welchen Fächern behandelt werden? In welchen Jahrgängen sind die Grundlagen des Themas den Lernenden zugänglich und welche Alltagsvorstellungen bringen diese mit? Welche Instruktionsstrategien und Methoden eignen sich besonders?

Im Projekt EnergieweltenPLUS befassen wir uns mit diesen Fragen in einer mehrstufigen Expertenbefragung(Delphi-Studie). Auf Basis der Ergebnisse werden schließlich Module für die Lehrkräftebildung entwickelt, welche wir in Kooperation mit dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Münster implementieren und evaluieren. Zeitgleich wird das bestehende Modulangebot des außerschulischen Lernorts Saerbecker Energiewelten weiterentwickelt und evaluiert. Ziel ist auch hier, die Grundlage für einen Wissenstransfer an andere Standorte zu schaffen.

SaerbeckPLUS: Was muss ich wissen, um mich an der Energiewende beteiligen zu können?

In Kooperation mit dem Förderverein der Klimakommune Saerbeck im Münsterland untersuchen wir im Projekt SaerbeckPLUS die Rolle von Climate Literacy für die Beteiligung an lokalen Energiewendemaßnahmen und zu kommunalem Wissenstransfer.

Aus den Erfahrungen des Projekts, den begleitenden Studien und den vielen bereits in Saerbeck erfolgreich umgesetzten Energiewendemaßnahmen soll schließlich ein kriteriengeleiteter Handlungsleitfaden entstehen. Ziel ist es, dass andere Kommunen den Weg Saerbecks zurKlimakommune nachvollziehen können und dafür eine Roadmap an die Hand bekommen.

Klub: Wie kann Bewertungskompetenz im Kontext des Klimawandels vermittelt werden?

Bewertungskompetenz, also die Fähigkeit, verschiedene Argumente zu einer Fragestellung gegeneinander abzuwägen, sich im Zweifel zusätzliche Informationen zugänglich machen und schließlich eine informierte Entscheidung treffen zu können, ist zentral für Climate Literacy. Aus dem Projekt Tube – Tierversuche verstehen und bewerten liegen bereits Ergebnisse und Erfahrungen zur Vermittlung von Bewertungskompetenz im Rahmen eines öffentlich umstrittenen Themas vor, die nun auf den Kontext Klimawandel übertragen werden sollen.

Trotz überwältigender Evidenz bezüglich der Existenz des Klimawandels, sind Unsicherheiten (beispielsweise gewisse Mess- und Modellunsicherheiten) ein inhärenter Bestandteil der Klimaforschung. In einigen Fällen werden diese allerdings dazu genutzt, um die Aussagen der Klimawissenschaft zu diskreditieren. Deshalb sollten Schülerinnen und Schüler im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts ein grundlegendes Verständnis über diese Unsicherheiten (im internationalen Raum als scientific uncertainty bekannt) vermittelt bekommen, um Aussagen bewerten und den öffentlichen Diskurs zum Klimawandel sachlich kompetent mitgestalten zu können.

In zwei Studien untersucht das Projekt Klub, wie sich Aspekte von scientific uncertainty im Kontext des Klimawandels zur Förderung eines solchen Verständnisses umsetzen lassen.

Heuristisches Modell zur Förderung und Wirkung von Climate Literacy

Als Grundlage unserer Arbeiten dient ein heuristisches Modell, welches Elemente verschiedener etablierter Wirkmodelle aus Bildungswissenschaft und Psychologie zusammenführt. Dieses Modell erklärt hypothetisch, wie sich Lerngelegenheiten neben einer Vielzahl anderer Faktoren auf Climate Literacy, auf entsprechende Handlungsintentionen und schließlich auf klimafreundliches Handeln und die Beteiligung an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen auswirken.

Im Projektverbund CLiF wollen wir dieses Modell schrittweise überprüfen, weiterentwickeln und Kriterien für die Gestaltung von Unterricht sowie anderer Bildungs- und Beteiligungsformate ableiten.

Beteiligte